20.09.2013 - Roundtable Diskussion mit Thomas Holm, Sales Director Europe

 

Das in den USA ansässige und seit November 2012 mit eigner Niederlassung in der Schweiz vertretene Unternehmen BETTCHER hat in vierjähriger Entwicklungsarbeit eine völlig neue Serie von Hochleistungsgeräten für die industrielle Fleischverarbeitung entwickelt. Das Quantum-System besteht aus einem Antriebsaggregat mit intelligenter Motorentechnik und flexiblen Antriebswellen und aus einem revolutionären Rundmesser, das sowohl in Sachen Ergonomie und Handhabung als auch beim eingesetzten Material und den Klingen mit verlängerter Lebensdauer Maßstäbe setzt. Quantum begeistert bereits die Praktiker in US-amerikanischen Fleischverarbeitungsbetrieben und ist seit Oktober 2013 mit dem ersten Launch von Quantum 1000 für die gängigen Anwendungen auch auf dem europäischen Markt erhältlich.

FleischMagazin: BETTCHER ist ein US-amerikanischer Familienbetrieb, der unter anderem bekannt ist für seine hochqualitativen Trimmer. Was hat das für amerikanische Verhältnisse eher mittelgroße Unternehmen bewogen, eine eigene Niederlassung in der Schweiz zu gründen?

Thomas Holm: BETTCHER ist schon lange weltweit aktiv. Unsere Geräte zum Trimmen von Fleischprodukten werden nicht nur in Europa sondern auch in Südamerika und bis nach Asien verkauft. Bis vor etwa einem Jahr haben wir dabei voll auf autorisierte Händler gesetzt, die über Jahrzehnte hinweg einen hervorragenden Job gemacht haben. Aber wir wollten gerade in den Wachstumsmärkten Südamerika und Europa noch mehr erreichen, wollten enger am Markt sein. Mit der Ausrichtung auf die Betreuung unserer Kunden durch Mitarbeiter des Unternehmens BETTCHER setzen wir nun auf intensivierte Beratung und enge persönliche Kontakte. Die Niederlassung in der Schweiz ist, geografisch auf Europa bezogen, einfach sehr zentral gelegen.

FleischMagazin: Wie haben ihre Kunden die Gründung der eigenen Niederlassung aufgenommen?

Holm: Ausgesprochen positiv. Einer der wichtigsten Punkte in der Firmenphilosophie von BETTCHER war und ist die Fokussierung auf die Interessen und Belange der Kunden. Das erfordert eine intensive Betreuung, die wir gerne übernehmen. Wir wollen auch ein besonderes Erlebnis für jene schaffen, die sich für BETTCHER Produkte interessieren. Daher nehmen wir uns Zeit. Unsere Kunden sollen nicht nur serviceorientiert bedient, sondern professionell beraten werden, um ihre Produktivität zu steigern. Von unserer Seite bekommen Sie dafür jede Unterstützung und die können wir nun mit der eigenen Niederlassung noch besser anbieten. Unsere Kunden wertschätzen z.B. auch den Einsatz unserer Experten, die nicht nur die BETTCHER Produkte, sondern auch den Markt sehr gut kennen. Zudem garantieren wir z.B. auch eine schnelle Lieferung – zu 98 Prozent liefern wir bereits am nächsten Tag.

FleischMagazin: Wo liegen Ihre Hauptmärkte?

Holm: Überall in der Welt. Die USA als unser traditionell stärkster Markt sind immer noch sehr wichtig für uns. In den letzten Jahren verzeichnen wir auch ein starkes Wachstum sowohl in Europa als auch in Brasilien. Dort haben wir deshalb ebenfalls eine Niederlassung gegründet. Südamerika ist sehr spannend, weil dort nicht nur sehr viel Fleisch verarbeitet, sondern auch gegessen wird. Auch die anderen BRIC-Länder entwickeln sich gut, so wie auch Osteuropa. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in diesen Ländern wächst auch der Appetit auf hochwertig verarbeitetes Fleisch, dort sehen wir gute Wachstumschancen.

FleischMagazin: BETTCHER wurde in den USA wiederholt als ´Top Workplace´ anerkannt. Was bedeutet das?

Holm: Der von der Tageszeitung Cleveland Plain Dealer verliehene Titel ist eine große Auszeichnung für uns. Er bedeutet nicht nur, dass sich die rund 350 Mitarbeiter im Unternehmen sehr wohl fühlen, weil entscheidende Faktoren wie Betriebsklima, Vergütung und Kommunikation stimmen, sondern auch, dass sie die Zukunft von BETTCHER positiv einschätzen. Einen wesentlichen Anteil an dieser Auszeichnung hat Inhaber Larry BETTCHER, der sich sehr dafür engagiert, dass die hohe Firmenmoral gepflegt wird. Die durchschnittliche Firmenzugehörigkeit liegt nicht zuletzt auch aus diesem Grund bei über 20 Jahren. Die Mitarbeiter arbeiten gern bei BETTCHER, das gilt übrigens auch für die europäische Niederlassung.

FleischMagazin: Welche Bedeutung hat Deutschland, der deutsche Markt für BETTCHER?

Holm: Kurz gesagt: Eine große. Deutschland bildet innerhalb Europas den größten Markt für uns, deshalb ist es sehr wichtig, dass wir vor Ort sind und die enge Partnerschaft mit unseren Kunden pflegen können. Wir haben in den USA gesehen, wie vorteilhaft die direkte Zusammenarbeit ist und das wollten wir in Europa auch ermöglichen.

Nicht zuletzt sehen wir in dieser Region auch das entsprechende Wachstumspotenzial. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten wird beispielsweise in Deutschland viel mehr Fleisch fein zerlegt und höher veredelt. Daher hat die Begrenzung von Verlusten oder anders gesagt, das Erreichen der maximal möglichen Ausbeute, eine sehr große Bedeutung für die Fleischverarbeiter. Selbst ein paar Gramm mehr gewonnenes Fleisch bewirken am Ende des Tages einen größeren Gewinn.

FleischMagazin: Wie kann die Ausbeute an einem Stück Fleisch noch weiter gesteigert werden? Ist hier nicht schon ein Maximum erreicht?

Holm: Unsere Erfahrung sagt, dass es da noch einigen Spielraum und die Möglichkeit für mehr Gewinn gibt. Hier kommen unsere Experten ins Spiel – sie helfen dem Kunden mit dem neuen Werkzeug umzugehen. Die Mitarbeiter, die durch Deutschland reisen und die Kunden in Sachen Möglichkeiten zur Optimierung beraten, sind erfahrene Fachleute. Wir nennen Sie deshalb auch nicht Verkäufer sondern Berater. Sie wurden sehr bewusst ausgesucht, haben nicht nur fundiertes Fachwissen sondern kennen auch die Branche sehr genau.

Sie nehmen sich die nötige Zeit, um den Kunden zu beraten. Wir sind hier in Europa nicht angetreten, um lediglich Technik zu verkaufen, unser Ziel ist eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Kunden. Deshalb offerieren wir Interessenten immer auch mehrere Geräte die vorgeführt und von Ihnen selbst getestet werden, so lange sie es für richtig halten. BETTCHER nimmt damit den Verkaufsdruck bewusst raus, um am Ende ein wirklich gutes Ergebnis zu erzielen.

FleischMagazin: Wie unterscheiden sich Bettcher-Geräte von denen anderer Anbieter?

Holm: Spontan fällt mir dazu die lange Lebensdauer unserer Technik ein. Sie hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab, es gibt aber Beispiele für Einsatzzeiten von bis zu 20 Jahren. Das ist ein Beleg für die hohe Qualität unserer Werkzeuge. Als „Pioneer in Trimming“ profitiert BETTCHER insbesondere von jahrzehntelanger Erfahrung in der Fleischverarbeitung. Diesen Wissenspool und „Key-Learnings“ aus der aktiven Arbeit mit unseren Kunden nutzen wir immer wieder für Innnovationen. Auch das zeichnet uns gegenüber dem Wettbewerb aus. Auch der Service-Gedanke spielt bei uns eine entscheidende Rolle. Wenn zum Beispiel ein Kunde eine Klinge nicht gut findet, tauschen wir diese sofort um.

Was den Preis betrifft: Ja, wir sind etwas teurer als andere Anbieter, aber hier gilt die bekannte Weisheit: Wer billig kauft, kauft oft zweimal. Bewährt hat sich auch, das wir fast 99 Prozent der Teile für unsere Geräte selbst entwickeln und bauen. Wir kaufen nur minimal dazu. Deshalb kennen wir unsere Geräte sehr genau und können bei allen auftretenden Problemen helfen.

Der Aufwand den wir treiben, ist wirklich überdurchschnittlich. Für die Fertigung unserer Klingen – einen sehr entscheidenden Teil der Geräte – kaufen wir beispielsweise jeweils eine ganze Produktionscharge an Stahl, um konstant hohe Qualität zu garantieren.

Unsere Produktion ist ISO-zertifiziert, alle Teile unserer Geräte sind geschützt bzw. patentiert.

FleischMagazin: In den USA setzen Fleischverarbeiter es bereits ein. In Europa wird es jetzt eingeführt: Das Quantum-System. Was zeichnet Quantum aus?

Holm: Quantum bedeutet nicht einfach nur verbesserte Trimmer, es ist sozusagen ein Quantensprung in der Trimmer-Technologie. Der Entwicklungsabteilung von BETTCHER ist mit den neuen Geräten ein wirklich großer Schritt in Sachen Energieeinsparung, Effizienzgewinn und Ergonomie gelungen.

Ausgangspunkt war die Frage: Wie können wir unseren Kunden mehr Leistung anbieten, wie mehr Gewinn für sie generieren? Die Zeit an der Zerlegelinie ist begrenzt. Daher stellten sich die BETTCHER Ingenieure die Frage, wie man diese Zeit effizienter nutzen kann. Die Antwort darauf fanden sie in der Erhöhung der Messergeschwindigkeit. Wenn die Klinge schneller rotiert, lässt sich in der gleichen Zeit mehr Leistung generieren.

Aus diesen Überlegungen heraus ist in intensiver Entwicklungsarbeit das neue System entstanden. Bauart, Geschwindigkeit, Materialien – die gesamte Konstruktion wurde neu gestaltet, damit die gewünschte Höchstleistung realisiert werden kann.

FleischMagazin: An den Linien wird bereits heute mit einer hohen Taktzahl gearbeitet. Sind die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit dort nicht eigentlich schon erreicht?

Holm: Bei der Entwicklung des Quantum-Systems war diese Überlegung natürlich ein wesentlicher Gesichtspunkt. Deshalb haben die Ingenieure auf eine innovative Lösung gesetzt. Diese besticht in der Entwicklung eines völlig neuen Motors, der einerseits schneller und auf der anderen Seite sensibler reagiert. Der intelligente neue Motor realisiert im Mittelbereich rund 6.500 Klingenumdrehungen je Minute und ist in der Lage, sehr schnell auf veränderte Kräfte zu reagieren – denn unterschiedliche Produkte verlangen nach unterschiedlichem Kraftaufwand beim Trimmen. Widerstand und Geschwindigkeit werden permanent gemessen und die Leistung angepasst. So läuft der Motor nicht ständig auf Maximalleistung. Das spart bis zu 60 Prozent Energie und verringert obendrein den Verschleiß.

Apropos Verschleiß. Die ebenfalls neu entwickelte Antriebswelle ist komplett wartungsfrei, dadurch können jeden Tag ein paar Minuten Arbeitszeit und somit Kosten eingespart werden. Die Lebensdauer der Driveline geben wir mit 16 bis 20 Wochen an.

FleischMagazin: Welche weiteren Komponenten – neben Motor und Driveline – bestimmen noch über den Erfolg von BETTCHER Geräten?

Holm: Bettcher-Geräte bestehen im Wesentlichen aus vier Bestandteilen: Motor, Antriebssystem, Handstück und Werkzeug. Das klingt zunächst relativ simpel, ist es aber nicht. Viele Faktoren und das Zusammenwirken unterschiedlicher Kräfte können einen reibungslosen Gebrauch stören. All diesen Aufgaben haben wir uns gestellt und eine optimale Lösung gefunden. Je nach Anwendung und Einsatzfall gibt es beispielsweise 30 verschiedene Klingen und Ausführungen. Da muss alles passen und auch im rauen Praxisalltag funktionieren.

Durch unser umfassendes Know-how können wir immer flexibel reagieren. Das kann z.B. auch heißen, dass wir für nur einen Kunden die Klinge verändern, wenn damit die Möglichkeit besteht, für ihn ein paar Prozent mehr Gewinn zu generieren. Wir tun das gern. So ist unsere Firmenphilosophie.

FleischMagazin: Im Vergleich zu den Geräten der Whizard-Serie: Was zeichnet die Quantum Geräte aus?

Holm: Die Trimmer der neuen Serie wiegen bedeutend weniger. Wir haben eine Kombination verschiedener, moderner Materialien gefunden, in deren Ergebnis das Gewicht reduziert werden konnte. Auch das erleichtert dem Anwender die Arbeit. Trotzdem sind die Geräte sehr robust im Alltag, können sogar aggressive Reinigungsmittel vertragen.

Was die Sicherheit betrifft, kann man natürlich auch in Zukunft nicht auf PSA und Stichschutzhandschuhe verzichten, das versteht sich. Aber das Gerät an sich ist durch das verringerte Gewicht und die leichtere Handhabbarkeit sicherer geworden. Es ist faktisch unzerbrechlich und der Motor schaltet bei Überlastung einfach aus.

FleischMagazin: Können Sie uns ein paar Daten zu dem neuen System geben?

Holm: Die Energieeinsparung von bis zu 60 Prozent durch den intelligenten Motor hatte ich ja bereits erwähnt. Ein weiterer Vorteil ist, dass das neue System nur etwa die Hälfte der Komponenten der alten Geräte hat und damit einerseits der Teilekauf leichter, andererseits die Lagerhaltung geringer wird. Die Verringerung der Kosten für Wartung und Lagerhaltung liegt im Vergleich zu einem Whizard-Gerät bei etwa 12 Prozent. Die Geschwindigkeit der Klinge wurde um 20 bis 30 Prozent erhöht. Die Ingenieure haben darüber hinaus die Lebensdauer einzelner Teile um das Vier- bis Zehnfache verlängert. Das alles zusammeng genommen bedeutet, dass sich das Kostenprofil über die gesamte Lebensdauer des Gerätes verbessert hat. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Trimmer-System Quantum die niedrigsten langfristigen Betriebskosten verursacht.

Aber das wichtigste Argument für die neuen Quantum-Geräte ist natürlich die mögliche Erhöhung der Gewinne durch bessere Fleischausbeute. So können beispielsweise beim Knochenputzen 30 bis 40 Prozent mehr Gewinn erreicht werden.

FleischMagazin: Die Quantum-Serie kann also mit Fug und Recht als Innovation bezeichnet werden. Löst sie die Whizard-Geräte ab?

Holm: Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass Quantum eine Revolution bedeutet. Die komplett neue Konzeption, neue Materialien, neues Design – jahrelange Entwicklungsarbeit und eine umfangreiche Testphase in den USA geben uns Recht. Die Fleischverarbeiter, die mit uns und für uns die neuen Geräte bereits in der Praxis getestet haben, waren regelrecht begeistert. Die bewährte Whizard-Serie wird weiterhin angeboten, da Quantum sich insbesondere auf Lösungen im High-end Bereich bezieht.

FleischMagazin: Als innovatives Unternehmen will BETTCHER natürlich bei den aktuellen Markttrends ganz vorn mit dabei sein. Welche sehen Sie im Moment?

Holm: In der Produktion sehen wir in den letzten Jahren zunehmend den Mangel an Fachkräften. Ausgebildete Metzger, die professionell mit dem Messer umgehen können, sind inzwischen sehr selten. Deshalb arbeitet die Industrie häufig mit ungelernten Arbeitskräften. Gerade für sie stellt die einfache Handhabung, das schnelle Erlernen der notwendigen Bewegungen und die verbesserte Ergonomie unserer Geräte eine wesentliche Erleichterung dar. Für das Abfetten von Fleisch beispielsweise veranschlagen wir rund eine Stunde, um den Mitarbeiter mit den notwendigen Bewegungen vertraut zu machen.

Zu den Dauertrends gehören ebenfalls Qualitätssicherung, Standardisierung, Ergonomie und natürlich die Erhöhung der Margen. Trends werden aber auch immer ein Stück weit von den Verbrauchern bestimmt, ihre Wünsche müssen erfüllt werden. Von dieser Seite spielen nach unserer Erfahrung die knochenlosen Produkte eine wichtige Rolle.

FleischMagazin: Gibt es weitere Ideen für Neuentwicklungen?

Holm: Es gibt immer Ideen, das gehört zum Image von BETTCHER. Mit der Entwicklung von Quantum hören wir natürlich nicht auf. Als Unternehmen muss man sich entwickeln. Aber unser Hauptthema werden Trimmer bleiben, auch wenn wir auf weiteren Gebieten aktiv sind.